Geschichtliches und Hintergründe


Im Jahre 1271 schenkte Ritter Werner Krieg von Saulheim dem Komtur Teodorich und dem Deutschen Hause zu Mainz alle seine Güter in Kettenheim “zum Heil seiner Seele”. Das früher dem unteren Nahegau zugeordnete Dorf hieß einst “Kiedenheim”, dann “Kutenheim” und später “Kedenheim”.Das heutige Kettenheim ist eine der vier Ortsgemeinden im “Kühlen Grund”, der auch “Kettenheimer Grund” genannt wird. Dazu gehören auch Esselborn, Freimersheim und Wahlheim. Mit nur 290 Einwohnern gehört Kettenheim zu den kleineren Dörfern der Verbandsgemeinde Alzey-Land.

Die in der Gemarkung geborgenen Funde aus Ton und Bronze, die im Mainzer und Darnmarmstädter Museum zu sehen sind, belegen, dass die Gegend um Kettenheim schon zu frühgeschichtlicher Zeit besiedelt gewesen ist. Auch ein in der Nähe des Ortes aufgedecktes fränkisches Grabfeld zeugt von der Historie Kettenheims.

Flurnamen in der Kettenheimer Gemarkung erinnern noch heute daran, dass einmal zwischen Kettenheim und Alzey das Dorf Ergersheim gestanden hat. Von dort verlegte man 1578 nach dem Bau des Pfarramtes in Kettenheim den Pfarrsitz hierher. Plötzlich und unerwartet war Ergersheim aber scheinbar nicht untergegangen. Experten vermuten, dass es sich etwa ein Jahrhundert hingezogen hatte, bis das Dorf verschwunden war. Wahrscheinlich sind die dortigen Bauern im Laufe der Zeit nach Kettenheim umgesiedelt. Die Ergersheimer Gemarkung ging in den Kettenheimer Besitz über. Noch im 18. Jahrhundert zeugten Reste der früheren Kirche von Ergersheim. Immer noch heißt die dortige Feldgewann “Hinter der alten Kirche” und ein dortiger Weg “Kirchenweg.”.



Quelle: Gemeindeporträt der Allgemeinen Zeitung Alzey vom 15.03.05

Rathaus mit Kapelle


Die Kirche von Kettenheim weist unter dem Dachgesims des Turmes eingemauerte Bildwerkreste aus dem Ende des 12. Jahrhunderts auf. Der mittelalterliche ehemalige Chorturm wurde 1575 erhöht, erhielt gleichzeitig einen Langhausanbau und wurde 1816 mit Baumaterial vom ehemaligen Kloster Weidas bei Dautenheim erweitert und erneuert. Die Orgelempore und die Kanzel stammen von 1755, die Orgel von 1837. Nach der geschichtlichen Überlieferung durften sich die Katholiken, nachdem die Kirche 1705 den Reformierten zugesprochen worden war, im ersten Stockwerk des alten Rathauses eine Kapelle einrichten, die sie dem heiligen Leonhard weihten.

Seit einiger Zeit wird das alte Rathaus jedoch nicht mehr als Bet-Raum genutzt, die katholischen Gläubigen besuchen inzwischen die Kirche in Freimersheim.
 

Das im Jahr 2000 aufwendig renovierte Rathaus selbst, dessen Erdgeschoss als Feuerwehrgerätehaus dient, ist indes zu einer Haupt-Sehenswürdigkeit von Kettenheim avanciert. 1686 erbaut, zählt es zu den schönsten Fachwerkhäusern der hiesigen Region. Zusammen mit der Kirche bildet es einen malerischen Ortskern.





“Gott gebe Glück und segne unser Land, bewahre uns vor Krieg und Brand. Erbaut 1686”. Diese Inschrift, eingeritzt in einen Fensterbalken am Rathaus, zeugt von seiner langen Historie.


Direkt nebenan ist das Weingut “Schloss Mühlenhof”, dem die Weinprinzessin Katharina I. aus den Jahren 2001 und 202 entstammt, was dem Besucher mit einem entsprechenden Hinweisschild vermittelt wird.


Jugendliebe eines Dichters


Relativ unbekant ist indes, dass in der kleinen Gemeinde Kettenheim am 21. Dezember 1626 der spätere holländische General Theobald Metzger von Weibenom geboren wurde. Ebenso wenig bekannt ist auch die Tatsache, dass eine gewisse Emma Heim zur Erziehung im Kettenheimer Pfarrhaus lebte, so wie es früher in Pfarrhäusern oft üblich war. Emma Heim war eine Kusine des Dichters Joseph Viktor von Scheffel und galt als seine Jugendliebe. Von Literaturhistorikern wird die Ansicht vertreten, dass so mancher Liedvers aus Viktor Scheffels Feder in Gedanken an seine Kusine in Kettenheim entstanden sein dürfte - so auchdie bekannten wehmütigen Worte: “Behüt dich Gott, es wär´zu schön gewesen, behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein”, die er 1854 in sein volkstümliches Versepos “Der Trompeter von Säckingen” einarbeitete.


In den letzten Jahren wurde Kettenheim zusammen mit den Gemeinden “im Kühlen Grund” komplett kanalisiert. Die Kreisstraßen sind bereits fertig ausgebaut und in Kürze wird mit den Arbeiten an den Ortsstraßen und -plätzen begonnen.”Spätestens Mitte 2006 sollen die Ortsvershönerungsmaßnahmen abgeschlosse sein”, ist Bürgermeister Wilfried Busch zuversichtlich.

Derzeit wird das Neubaugebiet “Nördlich der Bahnhofstraße” mit 20 Bauplätzen erschlossen.


Der von Alzey aus ausgechilderte Mühlenradweg führte auch durch die Kettenheimer Gemarkung. Mit dem Fahrrad ist es nur ein Katzensprung, einen Abstecher in den Ort hinein entlang des Weidasser Baches zu unternehmen. Die heute so idyllisch wirkende Lage des Örtchens südlich des Wartbergs im Tal des Weidasser Baches hatte zu früheren Zeiten allerdings auch Nachteile. 1949 nämlich wurde die Gemeinde von einer schweren Hochwasser-Katastrophe heimgesucht. Das wasser stand damals bis zu zweieinhalb Metern hoch. 1955 begegnete man dieser nassen Gefahr mit eine Bachregulierung.

 


Reges Vereinsleben


Das dörfliche Leben wird stark geprägt von den örtlichen Vereinen wie der freiwilligen Feuerwehr, dem Männergesangverein 1861 und der Interessengeimeinschaft “Freundliches Dorfbild”. Weitere Freizeitaktivitäten bieten der Geflügelzuchtverein, der evangelische Frauenkreis, der Landfrauenverein, der Landfrauenchor “Kettenheimer Grund” und der gemeinsam von allen Gemeinden des “Kühlen Grundes” aufrechterhaltene evangelische Posaunenchor.

Insbesondere die von der IG “Freundliches Dorfbild” und vielen Helfern an jedem ersten Wochenende im September stattfindende “Zeltkerb” erfreut sich bei den Kettenheimern und auch bei Besuchern großer Beliebtheit. Drei Tage lang wird die Kerb auf dem Spiel- und Bolzplatz gefeiert. Zur schönen Tradition und zu Publikumsmaneten sind bereits die am Kerbemontagabend servierten frisch geräucherten Forellen geworden - sie sind regelmäßig schnell ausverkauft. Die Kettenheimer sind stolz darauf, dass es in ihrem kleinen Dorf noch einen so guten Zusammenhalt zwischen den Mitbürgern gibt.


Die kleinen Einwohner in der Gemeinde besuchen den 1994 erbauten Kindergarten in Wahlheim, der für vier Gemeinden des Kettenheimer Grundes zur Verfügung steht. In Kettenheim selbst wurde für sie ein schöner Spiel- und Bolzplatz eingerichtet.

Die ruhige Wohngemeinde erfreut sich auch bei Neubürgern großer Beliebtheit. Bürgermeister Wilfried Busch geht davon aus, dass die zwanzig Bauplätze in Anbetracht der ruhigen Lage und der guten Verkehrsanbindung schnell vergriffen sein werden.

Impressionen:

Das Bild zeigt den Kettenheimer Bahnhof wie er jahrelang zum Verladen der Zuckerrüben genutzt wurde. Mittlerweile befinden sich dort 2 Kneipen sowie 2 Betriebe..

Diese alte Gemäuer stellte jahrelang die Schule dar, welche von den Kindern der Nachkriegszeit genutzt wurde.

Heute dienst sie vorrangig Veranstaltungen sowie dem Chören zur Probe

Quelle: Gemeindeporträt der Allgemeinen Zeitung Alzey vom 15.03.05

Fernsehbericht:

Erinnert sei an den Bericht über Kettenheim in der SWR-Sendung “Hierzuland” vom 29.09.05. mit einem kurzen RealVideo.

Zum Bericht gehts hier.

 

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